Dr. med. Florian Brückner

Sportmedizin, Chirotherapie, Naturheilverfahren

Zeckenschutzimpfung und Borreliose

Liebe Patientin, Lieber Patient

Die durch Zecken übertragene Frühsommermeningoencephalitis (FSME) und die dagegen bestehende Impfung ist immer wieder Thema von Verunsicherungen.

Es wird eine generelle Zunahme der Zeckenpopulation verzeichnet und damit einhergehend auch eine Zunahme des FSME-Virus tragender Zecken. Die Durchseuchungsrate der Zecken liegt bei 0,1-3,4%. In 30% der Infektionen entwickeln die Betroffenen Symptome der FSME.

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass über die Zeit der letzten 5 Jahre signifikant mehr als ein Erkrankungsfall pro 100.000 Einwohner aufgetreten ist. Aus diesem Grunde wird in diesen Gebieten eine Zeckenschutzimpfung empfohlen. Die Infektionshäufigkeit lag laut Robert Koch Institut von 2009-2013 im LK Neu-Ulm bei 3,65/100.000, im Stadtkreis Ulm bei 3,65/100.000 und im Landkreis Ostalb bei 5,15/100.000
Die Allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission lautet: Alle Personen, die in Risikogebieten leben oder im Urlaub in solche fahren und sich in der Natur aufhalten.

Die Verträglichkeit der Impfstoffe wird in der Literatur als sehr gut angegeben. Bei Erwachsenen sind Lokalreaktionen mit Hautrötung hin bis zu einem drittel der Geimpften und Auftreten von Fieber bei ca. 1% der Geimpften berichtet. Das Auftreten einer allergischen Reaktion bei der Kinderimpfung wird vom Impfhersteller 0,1 – 0,2 Fälle pro 100.000 Impfungen angegeben. Schwerwiegende neurologische Nebenwirkungen sind seit der Einführung der neuen Impfstoffe nicht beobachtet bzw. publiziert.

Das die Hirnhautentzündung (FSME) auslösende Virus wird im Falle eine Zeckenstiches direkt mit dem Stich übertragen, da es in den Speicheldrüsen der Zecke sitzt. Es gibt keine kausale Behandlungstherapie sondern nur Symptom abschwächende Behandlungsmöglichkeiten im Falle einer Infektion.

Daher ist die Zeckenschutzimpfung vor allem für diejenigen die in der Vergangenheit schon häufiger Zeckenstiche hatten bzw. sich viel im Freien aufhalten und durch Wälder und Wiesen streifen sinnvoll. Bei geplanten Urlaubsaufenthalten in Österreich, Schwarzwald oder Bayerischer Wald ist eine Zeckenimpfung ebenfalls sinnvoll.

Die Impfung ist eine kassenärztlich getragene Leistung die Sie in meiner Praxis jederzeit gerne durchführen lassen können. Bei nicht bestehender Vorimpfung sind zur Grundimmunisierung 3 Impfungen erforderlich, die ersten beiden innerhalb von 4 Wochen, die 3. nach etwa einem Jahr. Der Impfschutz tritt etwa mit der 2. Impfung ein, eine Impfauffrischung nach der 3. Impfung sollte alle 3-5 Jahre erfolgen.

Die zweite durch Zecken übertragene Krankheit ist die so genannte Lyme-Borreliose. Hierbei handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung gegen die kein Impfstoff vorliegt. Der Erreger lebt im Darm der Zecke und wird ca. 12-16 Stunden nach dem Stich während dem Saugakt der Zecke übertragen. Bei frühzeitigem Entfernen der Zecke mit einer spitzen Pinzette (Splitterpinzette) ohne ausquetschen des Körpers (Zecke von der Seite direkt über der Haut am Kopf fassen und langsam rausziehen) kann somit eine Infektion vermieden werden. Sollte dabei der Kopf der Zecke abreißen, kann es evtl. zu lokalen Reizungen kommen.
zu einer Infektion kommt es in 1,5-6% der Fälle, eine manifeste Erkrankung tritt jedoch nur bei 0,3-1,4% der Fälle auf (Laut Robert-Koch- Institut). Nach einer Latenzzeit von 4-14 Tagen  treten Krankheitssymptome wie Fieber und Gliederschmerzen mit Abgeschlagenheit auf ohne dass beispielsweise ein grippaler Infekt oder eine Erkältung vorliegt. Das so genannte wandernde Erythem, die sich langsam ausbreitende Rötung auf der Haut um die Einstichstelle, tritt nur bei ca. 30% der Fälle auf. Die Diagnostik erfolgt bei klinischem Verdacht über eine Blutabnahme. Da es sich bei der Borreliose um eine bakterielle Erkrankung handelt ist diese antibiotisch sehr gut behandelbar.
Ein Start der Therapie auf bloßen Verdacht ohne Klinik oder aber eine Labordiagnostik ohne klinischen Verdacht oder bestehende Beschwerden ist jedoch nicht sinnvoll, da eine antibiotische Therapie auch Nebenwirkungen haben kann.